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Artikel - "Song zu verschenken"

KULTUR




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"Song zu verschenken"

Kauft man ein Festivalticket, gibt man sein Geld nicht nur für seine Lieblingsmusik. Das Rundherum-glücklich-Paket besteht aus einer Gemeinschaft ähnlich gesinnter Menschen, der Freiheit aufgrund von Abwesenheit jeglicher Normen und der Fülle der Ereignisse an einem Tag, welche immer neue Entdeckungen erlaubt. Man entdeckt die eigene Fähigkeit, ohne Dosenöffner die Raviolidose zu öffnen und ohne jedes sportliches Training das Auto aus dem Schlamm zu schieben. Oder man entdeckt einen der vielen designierten Künstler, die (noch im Schatten ihrer Helden auf der Bühne) durch die Mengen laufen.

Sascha Reske (20) und sein Freund Steffen Arlt (20) warten nicht auf ihre Entdeckung, sie machen lieber gleich gekonnt auf sich aufmerksam. Die Gitarre umgeschnallt und eine breite Palette an Songs im Kopf halten sie nach hübschen Mädchen in der Menge Ausschau, um diese mit im Austausch gegen einen Kuss mit einem Song zu beglücken. Nicht selten hat sich bereits kurze Zeit später eine kleine Traube von Menschen um die talentierten Freunde angesammelt, taktschlagend, mitsingend. Einer von beiden spielt stets die Gitarre, während der andere singt. Und wie lange machen die beiden das schon so? In dieser Form sei das noch nicht lange möglich, ist die Antwort. Arlt hat erst vor drei Monaten begonnen, seinem Kollegen das Gitarrespielen beizubringen und bezeichnet ihn als seinen "besten Schüler". In der Tat ist von Unerfahrenheit nicht viel zu bemerken, als die beiden schließlich Reskes eigene Songs vortragen, die sich durchaus hören lassen können. Texte und Musik stammen von Reske selbst, welcher schon seit er 16 ist Gedichte, Kolumnen und Songtexte schreibt. Beides stellt er auf seiner Internetseite www.sascha-reske.de vor. Beeinflusst haben ihn beim Komponieren vor allem Coldplay und Pete Doherty. Die Musik steht für ihn allerdings genau gesehen an zweiter Stelle, vor Allem sei er Texter, stellt Reske klar. Gedichte würden aber oft eher ungern gelesen werden, mit Musik ließen sich die Menschen eher gewinnen.


"Machen gekonnt auf sich aufmerksam": Hier Sascha Reske auf einem Feld.

Dass die Musik jedoch auch ihn schon längst für sich gewonnen hat, beweist die anstehende Straßenmusiktour durch Deutschland und gegebenfalls auch Spanien. Hierfür wird in seiner Heimatstadt Uelzen gestartet. Viel weiter reicht die Planung des jungen Musikers jedoch nicht. Das Geld, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen und genug zu Essen und einen Platz zum Schlafen zu haben, will er sich mit seiner Straßenmusik verdienen. Dabei ist seine hauptsächliche Intention, zu sehen, wie seine Musik bei den Menschen ankommt. Ist anschließend noch Zeit genug, wird auf Sightseeingtour gegangen – man will ja schließlich alles mitnehmen, was Land und Leute zu bieten haben. Läuft der Tag gut, wird abends eventuell in einer Bar gespielt und so Geld und Bekanntheitsgrad erlangt.

Hört sich nach der ganz großen Freiheit an, wenn man Reske von seinen Plänen erzählen hört, welche in der Aufnahme seines ersten Albums ihren Höhepunkt finden. Hieran arbeitet er schon jetzt durchschnittlich zwei Stunden am Tag. Trotz seiner verträumten Art ist er jedoch Realist: dass er seine Musik zum Beruf machen könnte, hält er für unwahrscheinlich. Deswegen wird jetzt erstmal das Abitur nachgemacht. Anschließend möchte er Medizin oder Psychologie studieren.
Antrieb gibt ihm, ganz romantisch, dabei die Liebe. Stoff für seine Texte schöpft er aus früheren glücklichen und auch weniger schönen Erfahrungen mit ihr.

"Das Wichtigste im Leben ist es, jemanden oder etwas zu haben, das man liebt. Es gibt keine vergleichbare Möglichkeit sich jeden Tag, und sei es auch nach noch so niederschmetternden Niederlagen, erneut zu motivieren das Beste aus sich herauszuholen. Ich habe eines mit Gewissheit erkannt: Wenn man immer wieder aufsteht, kann man im Endeffekt nicht verlieren. Nach jedem Tief folgt immer ein noch sonnigeres und längeres Hoch."
Vielleicht ist das auch der Grund, warum seine Songs in dieser Art und Weise unter die Haut gehen: Sie berichten gefühlvoll von diesen Erfahrungen, die jeder von uns schon machen müssen und mit denen wir uns doch stets ganz alleine fühlten.
Aber "Was wäre das Leben ohne Höhen und Tiefen. Jeder Gemütszustand ist eine andere Farbe und wenn man nicht wenigstens ab und zu jede dieser Farben besuchen würde, gerieten sie vollkommen in Vergessenheit; und möchte man nicht alle Farben sehen können? Wichtig ist nur, dass man nie stehen bleibt."

 


2012 Szenebilder Medien
Autor: Mariella Loock

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